10 Tipps zur Vermeidung von Plastikmüll in der Gastronomie

Bild: Eislöffel zum Aufessen von Spoontainable [Bildrechte: Spoontainable]

Jute statt Plastik!

Kennen Sie auch noch diesen Spruch aus den 80ern? Wer hätte damals gedacht, wie brisant das Thema Plastikmüll wirklich werden würde. Gut, dass jeder einzelne etwas tun kann, um Plastik zu vermeiden. Hier kommen 10 Tipps, (fast) plastikfrei zu leben. Sind leicht umzusetzen und können viel bewirken.

 

▻ Die 10 besten Tipps, um Plastikmüll in der Gastronomie zu vermeiden!
▻ Alternativen zu Plastik-Geschirr in Hotel und Restaurant!
▻ Wie kommt das Plastik ins Essen?
▻ Plastikmüll vermeiden - Die neuen EU-Richtlinien
▻ Im Interview: Der Erfinder vom Strohhalm zum Aufessen
▻ Produkte und Hersteller

 

Die 10 besten Tipps, um Plastikmüll zu vermeiden!

Tipp 1: Beutel, Einkaufskorb und Mehrwegtüte
Es muss kein Jutebeutel wie in den 80ern sein, aber eine Einkaufstasche aus Leinen darf in keinem Hotel oder Restaurant fehlen. Mit einer wiederverwendbaren Einkaufstüte können Sie sich beim Gast auch nach seinem Aufenthalt immer wieder in Erinnerung rufen. Denn vielleicht schafft es der Beutel in die Handtasche des Gasts und ist immer dabei, wenn es zum Einkaufen geht.

Tipp 2: Trinkflaschen und To-Go-Becher
To-Go-Becher für Cafe oder andere Getränke entwickeln sich zum großen Umweltproblem. Eine Lösung bietet Recup: Ein Pfandsystem für Mehrwegbecher, die man im Laden auffüllen lässt und dafür auch noch mit einem Rabatt aufs Getränk belohnt wird! Neben den vielen Anbietern von kompostierbaren To-go Kaffeebechern hat das junge Startup Kaffeefarm eine geniale wie naheligende Idee entwickelt. Der Kaffeebecher ist nämlich aus Kaffeesatz und dabei sogar spülmaschinenfest. Wer seinen Gästen Lunchpakete für Ausflüge anbietet oder über einen Wellness- und Fittnessbereich verfügt, sollte über Edelstahl-Trinkflaschen nachdenken. Sie sind beliebig oft befüllbar und können wie der wiederverwendbare Beutel mit dem eigenen Branding versehen werden.

Tipp 3: Glas- statt Plastik
Apropos Plastikflasche: Steigen Sie auf Glas um! Eine Glasmehrwegflasche wird bis zu 50 Mal befüllt und wird danach recycelt. Die Marke Honest praktiziert eine Zwischenlösung. Sie füllt ihre Eistees und Bio Limonaden in Flaschen aus 50% recyceltem Glas ab. Eine andere Alternative für die Gastronomie sind leitungsgebundene Trinkwassersysteme (z.B. von BWT, Brita). Dabei wird Leitungswasser (das in Deutschland eine hervorragende Qualität hat) aufgesprudelt und man hat sein eigenes Mineralwasser zu einem Bruchteil der Kosten. Lecker und umweltfreundlich!

Tipp 4: Seife am Stück auf den Gästezimmern
Die gute alte Handseife hat eine wesentlich bessere Umweltbilanz als Flüssigseife in der Miniverpackung.

Tipp 5: Gesundheit!
Statt Taschentücher in Plastik-Kleinverpackungen anzubieten, lieber auf Kosmetiktücher im Karton umsteigen. So lässt sich zumindest vor Ort ein wenig Plastikmüll vermeiden.

Tipp 6: Naturfasern statt Synthetik
Handtücher, Bademäntel, Tischdecken, Servietten aus Synthetik? Lieber nicht! Aus den Textilien können sich winzige Plastikfasern lösen. Kunstfaser-Stoffe gelten somit als eine der größten Quellen von Mikroplastik in Gewässern. Greifen Sie lieber zu Produkten aus Naturfasern wie Baumwollen, Leinen, Wolle oder Seide.

Tipp 7: Eis aus der Cafe Tasse
Neben den Cafe To-Go-Bechern sind auch die Eisbecher häufig aus schwer recycelbarer, beschichteter Pappe. Der Trick: Servieren Sie Ihrer Laufkundschaft das Eis in der Cafe Tasse. Sie werden überrascht sein, über die vielen positiven Reaktionen. Oder steigen sie auf die ▻essbaren Eislöffel des Stuttgarter Startups Spoontainable um. 

Tipp 8: Joghurt im Glas
Statt Joghurt im Plastikbecher, lieber Joghurt, Desserts und Milch im Glas auf dem Frühstücksbuffet im Hotel anbieten. Regionale Lieferanten für Gastronomie bieten längst Mehrweglösungen an. Einfach mal umhören.

Tipp 9: Es geht auch ohne Strohhalme!
Plastikstrohhalme sind eine echte Umweltbelastung. Eine gute Alternative: Strohhalme aus Apfeltrester, Glas, Edelstahl und Bambus. Oder einfach direkt aus dem Glas trinken!

Tipp 10: Plastikmüll beim Lieferanten lassen
Unnötige Verpackungen kann man direkt beim Lieferanten lassen.

 

Alternativen zu Plastik-Geschirr!

In der Außengastronomie oder beim Catering für Firmenveranstaltungen erfreut sich Plastikgeschirr großer Beliebtheit. Doch Plastik ist einer der größten Umweltfeinde, die es gibt. Ab 2021 nun wird Plastikgeschirr verboten. Wie gut, dass es hervorragende Alternativen gibt.

Eine Innovation auf dem Markt der Einweggeschirre sind komplett kompostierbare und wasserfeste ▻Teller aus Palmblättern vom jungen Berliner Startup Leef Blattwerk. Hierfür werden Palmblätter verwendet, die bereits von der Palme gefallen sind, sozusagen ein Abfallprodukt der Natur. Mit Wasser gereinigt und in Form gepresst – das ist alles. Wasserfest und auch für fettige Speisen geeignet. Ganz ohne Chemie und biologisch abbaubar.

Unternehmergeist hat auch Philipp Silbernagel bewiesen, als er in ein studentisches Forschungsprojekt zur Weiterverarbeitung von Apfeltrester eingestiegen ist. Entstanden ist der Superhalm, der erste ▻Strohalm zum Aufessen.  

Überhaupt sind aufessbare Geschirralternativen vermutlich die beste Lösung, Plastikmüll zu vermeiden. Das haben sich auch Julia und Amelie bei der Gründung von Spoontainable gedacht. Aus Keksteig und einem speziellen Herstellprozess fertigen die beiden essbare Eislöffel, mit denen sie die vielen Eislöffel aus Plastik aus den Eisdielen verdrängen wollen. 

 

Wie kommt das Plastik ins Essen?

Es ist eine erschreckende Zahl: Laut einer Studie der Heriot Watt Universität in Edinburgh nehmen wir mit jeder Mahlzeit mehr als 100 winzige Plastik-Teilchen auf! Viele davon landen durch Fische und Meeresfrüchte, die durch Plastikmüll im Meer verseucht sind, auf unserem Teller. Doch Plastik-Partikel befinden sich auch in der Luft. Durch Kleidung und Textilien aus synthetischen Fasern oder Teppiche mit Kunststoff-Anteilen, die feinste Fasern abgeben, zum Beispiel. Außerdem gilt der Reifenabrieb, der beim Autofahren entsteht, als wichtige Ursache von Mikroplastik-Partikeln. So nehmen wir Plastik nicht nur mit der Nahrung auf, sondern atmen es auch ein. Tag für Tag. Welche gesundheitlichen Auswirkungen Mikroplastik auf den Menschen hat, lässt sich noch nicht absehen – doch erste medizinische Studien weisen auf eine mögliche Schädigung des Magen-Darm-Traktes und die Begünstigung von Entzündungsreaktionen hin. Die Plastikforschung nimmt Fahrt auf und wird in den nächsten Jahren ein wichtiger Bestandteil der Wissenschaft sein. Denn Plastik und seine Auswirkungen stellen eines der größten Probleme für Mensch und Umwelt dar.

 

Die neuen EU-Richtlinien

Umweltschutzbehörden schlagen bereits seit Jahren weltweit in Sachen Plastikmüll Alarm, jetzt reagiert die EU in Brüssel. Ab 2021 werden bestimmte Plastik- und Styroporgegenstände in allen EU-Mitgliedsstaaten verboten. Wattestäbchen aus Kunststoff, Plastikbesteck- und Geschirr, Strohhalme aus Plastik und Essensverpackungen aus Styropor stehen dann auf dem Index. Bis zum Jahr 2029 sollen zudem 90 Prozent der Kunststoffflaschen gesammelt werden. 

Für die Meere könnte das Verbot fast schon zu spät kommen. Zugemüllte Strände, verendete Vögel und Meeresbewohner und Mikroplastik im Essen – Plastikmüll gefährdet Mensch und Tier, die Ausmaße sind kaum vorstellbar. Zwischen Hawaii und Kalifornien beispielsweise treibt eine Insel aus vornehmlich Plastikmüll im Ozean, die viermal (!) größer ist als Deutschland. Auf einer Fläche von 1,6 Quadratkilometern dümpeln 80.000 Tonnen Unrat, und es wird täglich mehr. So benötigt eine Plastiktüte 20 Jahre, um im Meer abgebaut zu werden, ein Styroporbecher 50 Jahre und eine Plastikflasche ganze 450 Jahre. Laurent Lebreton, Wissenschaftler und Autor der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ hat mit niederländischen Kollegen über 1 Million Plastikproben aus dem Pazifik untersucht und weiß, wo das Problem liegt: „Es ist unser Konsumverhalten und unser Lifestyle – unsere Wegwerfgesellschaft“. Höchste Zeit also, um das Bewusstsein noch mehr zu schärfen und Plastikmüll noch konsequenter zu vermeiden. Vorbildlich: Supermärkte wie Aldi, Rewe, Penny oder Real haben Plastiktüten bereits abgeschafft. Und Projekte wie „The Ocean Cleanup“, das Plastik im Meer mit neuen Technologien großräumig einfischen will oder die Zero-Waste-Bewegung, die einen bewussteren Umgang mit Müll bis hin zur kompletten Vermeidung aufzeigt, demonstrieren, dass jeder einzelne etwas tun kann. Das neue Gesetz ist ein wichtiger Schritt in die dringend notwendige Richtung.

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