EU verbietet Plastikteller und Strohhalme

Bestimmte Plastikprodukte wie Einweggeschirr und Strohhalme dürfen in der EU zukünftig nicht mehr verkauft werden. So hat es das Europäische Parlament in Straßburg beschlossen. Ein junges, deutsches Unternehmen hat erfolgreich einen alternativen Werkstoff entwickelt.

Vom europäsichen Markt verschwinden sollen ab 2021 nur Produkte, für die es bereits Alternativen gibt. Für Plastikflaschen gilt: Bis 2025 müssen sie mindestens zu 25 Prozent aus recyceltem Material bestehen.

Ganz ohne Plastik geht es noch nicht?!

Der vollständige Verzicht auf Plastik ist aber nicht in allen Bereichen die beste Lösung. Für Schalen, Becher, Trinkhalme oder Servietten gibt es bereits viele Alternativen. Bei Verpackungsmaterialien, insbesondere solchen, die ein Produkt auf längeren Transporten vor Fremdstoffen schützen sollen, gibt es noch wenige praktikable Lösungen. Während das geplante EU-weite Verbot von Trinkhalmen geholfen hat, das Thema mehr in die Öffentlichkeit zu tragen, sollte das Thema nicht überreguliert werden. "Denn was am Ende wirklich nachhaltig oder nur ‚greenwashed’ ist, ist in vielen Fällen nicht eindeutig zu sagen", erklärt Philipp Silbernagel, einer der es Wissen muss. Philipp ist Mitgründer der wisefood GmbH, ein echter Early Bird bei der Suche nach alternativen Werkstoffen zu Plastik.

Es braucht Erfindergeist

Aus einem im Jahr 2015 durchgeführten, studentischen Forschungsprojekt am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist die Idee zur Weiterverarbeitung von Apfeltrester entstanden. 2017 war das Gründerteam um Konstantin Neumann und Philipp Silbernagel überzeugt davon, aus Apfeltrester einen Trinkhalm zum Aufessen produzieren zu können. Sie erwarben die Ergebnisse des Forschungsprojekts und gründeten die wisefood GmbH. Wie schwierig es ist neue Materialien soweit zu entwickeln, damit sie den Anforderungen in der Praxis standhalten, erläutert Mitgründer Philipp Silbernagel. Zunächst ist da die Stabilität des Trinkhalms, die sowohl in kalten als auch warmen Getränken sichergestellt werden muss. Bei ihrem Auftritt im letzten Jahr in Die Höhle der Löwen hatte der Halm noch eine Stabilität von 2 Minuten. „Das war den Löwen zu wenig. Denn sie suchen marktreife Produkte,“ so die Erfahrung von Philipp. „Trotzdem hat der Auftritt viel gebracht. Denn der Auftritt hat dem Thema mehr Öffentlichkeit gegeben und uns die Weiterentwicklung erleichtert,“ sagt Philipp. Heute steht der Halm 60 Minuten, weil dem Produkt neben Apfeltrester auch Getreide beigemischt wird. Eine weitere Herausforderung war die Bruchfestigkeit beim Schneiden der Halme. Auch hier wurde lange getüftelt, bis eine Lösung gefunden wurde. Und die Arbeit hat sich gelohnt. Im Februar hat der Superhalm am Profitester-Pitch in Hannover teilgenommen und als Sieger eine Listung bei Transgourmet erhalten. Die Juroren aus Gastro, Hotel und Gemeinschaftsverpflegung waren überzeugt von der Marktreife des Produkts.

Bewusstsein schaffen

Nachhaltigkeit und insbesondere die Vermeidung von Plastik waren auch auf allen Fachmessen in 2019 das bestimmende Thema. Nicht erst seit dem EU-Vorstoß hinterfragen immer mehr Menschen in Deutschland den Umgang mit Plastik und den eigenen Konsum. Das ist auch den Herstellern nicht entgangen, die nun Antworten für ihre Produkte liefern müssen. Auf internationaler Ebene kommt Deutschland hier eine Vorreiterrolle zu. Denn wer sich im Urlaub mal an den Stränden von sogenannten Schwellenländern, aber auch Industrienationen umsieht, stellt schnell fest, dass das Bewusstsein noch längst nicht überall auf der Welt angekommen ist.

Wie schnell Gastronomen und Hoteliers sich diesem Zeitgeist mit ihrem Angebot anpassen, wird sehr stark von den damit verbundenen Kosten abhängen. Während die einen längst den Marketing und Image Effekt für sich und ihren eigenen Betrieb entdeckt haben, sind viele noch am Zweifeln, ob ein nachhaltigeres und hochpreisigeres Ersatzprodukt nicht doch am Ende das Betriebsergebnis schmälert. Das letzte Wort dabei wird vermutlich der Gast haben, der schon heute Betriebe nach deren Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit auswählt.

Fazit

Der Erfolg im Kampf gegen Plastikmüll muss an mehreren Stellen ansetzen. Der Konsument kann mit einem bewussteren Umgang seinen eigenen Verbrauch sofort beeinflussen. Die Politik kann mit gezielten Aktionen für mehr Öffentlichkeit sorgen und Anreize für die Erforschung und Entwicklung von Alternativen schaffen. Die Industrie ist bei der zügigen Weiterentwicklung von noch nicht marktreifen Lösungen gefordert.

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