Neues Gastrokonzept löst Krebsplage in Berlin

Gewonnen hat den diesjährigen Gastro Gründerpreis auf der Internorga ein Konzept aus München mit sozialem Hintergrund. Für am meisten Unterhaltung hat aber ein Team aus Berlin gesorgt. Denn was die drei Berliner da auf der Bühne präsentiert haben, kam manchen Anwesenden bizarr und genial zugleich vor.  

Es ging gleich gut los für HOLYCRAB. Bei der Anmoderation durch Tim Mälzer bekamen die Berliner ihr Fett ab. Denn Tim Mälzer bekannte sich dazu, das luftleere Gerede der Berliner Startup-Szene zur Nachhaltigkeit satt zu haben. Und der Nachhaltigkeitsgedanke spielt auch bei HOLYCRAB eine große Rolle. Aber ganz anders, als in anderen Fällen. 

Worum es geht

Es kommt immer wieder vor, dass sich Tierarten über Frachtgut oder Container sehr weit von ihrem eigentlichen Lebensraum entfernen und an ihrem neuen Zuhause erheblichen Schaden anrichten. So geschehen in Berlin. Dort hat sich seit zwei Jahren der Rote Amerikanische Sumpfkrebs in den Parkanlagen offenbar komfortabel eingerichtet. Denn wegen fehlender Fressfeinde wächst der Bestand rasant. An regnerischen Tagen ist es keine Seltenheit mehr, wenn einem die roten kleinen Krebse über den Weg flitzen. Da in Deutschland nicht jedes Tier für den Verzehr in der Gastronomie freigeben ist, konnte auch der Rote Amerikanische Sumpfkrebs nicht einfach aufgesammelt und zum Verzehr angeboten werden. Denn geniessbar ist er allemal. In seiner Heimat im Süden der USA ist er sogar eine Delikatesse. Wegen möglicher Belastungen durch z.B. Schwermetalle musste der neue Bewohner erstmal überpüft werden, bis er letztendlich für den Fang und den Verzehr freigegeben wurde. Und er ist nicht das einzige Schalentier, das die hiesigen Ökosysteme unsicher macht. Neben dem Roten Amerikanischen Sumpfkrebs haben sich in und um Berlin außerdem die Chinesische Wollhandkrabbe, der Kamberkrebs und weitere invasive Tier- und Pflanzenarten einquartiert.

Die Idee

In Zeiten, in denen die Diskussion über alternative Eiweisslieferanten fast täglich geführt wird, haben sich drei Berliner Gründer die Frage gestellt, ob die Krebstiere nicht das Zeug zum neuen lokalen Superfood haben. Warum nicht den Menschen an die Stelle des natürlichen Fressfeindes stellen und die Plage auf die natürlichste aller Arten lösen. Gedacht, getan. HOLYCRAB verarbeitet ausschließlich lokale und saisonale Zutaten in Bio Qualität. Und auch im Pflanzenreich finden sich einige Kandidaten, die nicht in unser Ökosystem gehören, aber ausgezeichnet schmecken. Das Alleinstellungsmerkmal des Gastrokonzept ist damit klar und hat der klassischen Dimension von lokal und bio eine weitere hinzugefügt.

Der Start von HOLYCRAB ist für das Frühjar 2019 geplant. 

 

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